3. KompassEines der ältesten technischen Hilfsmittel zur Richtungsbestimmung ist der Magnetkompass. Der Magnetkompass soll eine Erfindung der Chinesen sein. Die älteste schriftliche Überlieferung über die Benutzung eines Kompasses in Europa stammt aus dem Jahr 1190 a.d. von Hugnes de Bercy. Die Windrose bildet mit ihren vier Hauptrichtungen den Kern jeder Navigation. Unsere Namen der Himmelsrichtungen stammen übrigens aus der nordgermanischen Mythologie. Die Zwerge Oster, Norder, Wester und Søder tragen demnach das aus dem Schädel des von Odin erschlagenen Riesen Ymir gebildete Himmelsgewölbe. Schon im frühen Mittelalter wurden von den Wikingern zusätzlich zu den vier Hauptrichtungen die Begriffe Nordost, Südost, Nordwest und Südwest verwendet. Das System übernahmen dann christliche Seeleute, Reisende und Wissenschaftler. Es bildet bis heute die Grundlage unserer Kompassrose.
Die Einteilung der Kompassrose in 360o und die weitere Unterteilung eines Grades in 60 Minuten (') und einer Minute in 60 Sekunden (") hat den Nachteil, dass es kein dezimales System ist und man damit vergleichsweise schwer rechnen kann. Für das Vermessungswesen (Geodäsie) wurde daher der Vollkreis in 400 Gon eingeteilt. Die weitere Unterteilung orientiert sich am Dezimalsystem (1 gon = 100 cgon). In älterer Literatur wird Gon noch als Neugrad bezeichnet. Das System hat den Vorteil, dass die Haupthimmelsrichtungen immer volle Hunderter sind. Nebenhimmelsrichtungen sind durch 50 teilbar. Die Gegenrichtung kann durch Addieren bzw. Subtrahieren von 200 im Hand umdrehen ermittelt werden. Trotz der vielen Vorteile konnte sich das System nicht über das Vermessungswesen hinaus durchsetzen. Die Anforderungen des Militärs führten zur Einteilung des Vollkreises in Mils (-). Die Einteilung entstand aus dem Wunsch der Artillerie nach einem Mass, das sowohl zur Winkelmessung als auch zur Darstellung von seitlichen Abständen geeignet ist. Um auf 1000 m Entfernung einen seitlichen Abstand von 1 m zu haben müsste man den Vollkreis in 6280 Teile einteilen. Da Artilleristen bei der Knallerei mit einem solchen Wert denkbar schlecht rechnen können, arbeitet die NATO einheitlich mit benutzerfreundlichen 6400-. Mils wurden früher auch als "Strich" bezeichnet und sind nicht identisch mit der (veralteten) nautischen Kompasseinteilung "Strich"! 3.1.2. Das Magnetfeld der Erde Die Erde als Ganzes ist ein riesiger Magnet mit einem magnetischen Nord- und einem magnetischen Südpol. Angenähert wird das erdmagnetische Feld durch einen im Erdmittelpunkt befindlichen magnetischen Dipol, dessen Achse um 11,4o gegen die Rotationsachse der Erde geneigt ist und die Erdoberfläche an den geomagnetischen Punkten durchstößt. Diese liegen in der Nähe der auch als Magnetpole bezeichneten erd- oder geomagnetischen Pole, jenen Punkten, in denen die Feldlinien senkrecht stehen. Diese Pole verändern im Laufe der Zeit (sehr langsam) ihre Lage. Der arktische oder boreale Magnetpol ist magnetisch ein Südpol. Er lag 1980 bei 73o18'N und 101o48'W und wandert derzeit jährlich etwa 7,5 km in nördliche Richtung. Der antarktische oder australe Magnetpol (ein magnetischer Nordpol) befand sich 1983 bei 65o12'S und 138o42'E. Er verschiebt sich z.Zt. um etwa 10 km/Jahr in nordwestliche Richtung. Die magnetischen Pole fallen also nicht mit den geografischen Polen zusammen. Beim Magnetkompass stellt sich eine Magnetnadel unter Einwirkung des magnetischen Erdfelds in Nord-Süd-Richtung ein. Eine Gradeinteilung auf der Kompassrose, über der die Kompassnadel dreht, ermöglicht es, den Winkel zwischen der Vorausrichtung und dem magnetischen Nordpol über die Kompassrose anzuzeigen. Nun ist Norden leider
nicht gleich Norden. Es wird unterschieden zwischen
geografisch Nord, magnetisch Nord und Gitter Nord. In
topografischen Karten werden die Geografisch Nord
(GeN) oder engl. true north (TN) ist die
"wahre" Nordrichtung. Alle Meridiane des
geografischen Koordinatensystems führen nach Geografisch
Nord, d.h. zum geografischen Nordpol. Seefahrer
bezeichnen geografisch Nord als "rechtweisend
Nord" (rwN). In topografischen Karten wird
geografisch Nord üblicherweise mit einem (Nord) Stern
gekennzeichnet. Das Magnetfeld der Erde
ist auf die magnetischen Pole ausgerichtet. Diese fallen
nicht mit den geografischen Polen zusammen. Die
Kompassnadel zeigt nun aber nicht zum magnetischen
Nordpol. Die Kompassnadel orientiert
sich an den magnetischen Feldlinien der Erde. Deren
Verlauf schwankt je nach örtlicher Lage sehr stark. Magnetisch
Nord (MaN) oder engl. magnetic
north (MN) muß somit (theoretisch) für jeden Ort auf
der Erde gesondert bestimmt werden und verändert sich
zudem laufend. Nautiker bezeichnen magnetisch Nord als
"missweisend Nord" (mwN). In topografischen
Karten wird magnetisch Nord meistens durch eine
(altmodische) Magnetkompassnadel gekennzeichnet. Gitter Nord (GiN) oder engl. grid north (GN) bezeichnet die Richtung, in der die senkrecht und parallel verlaufenden Linien eines rechtwinkligen und zweidimensionalen (geodätischen) Koordinatengitters verlaufen. Hierzu gehören z.B. das Gauss-Krüger-, UTM- und UPS-Gitter. Gitter Nord (GiN) und geografisch Nord (GeN) stimmen lediglich am Hauptmeridian des abgebildeten Meridianstreifens überein. In topografischen Karten wird Gitter Nord im allgemeinen mit einem kleinen Querstrich oder Quadrat (wie ein Gitter) gekennzeichnet. Manchmal ist Gitter Nord aber auch lediglich die Verlängerung einer oder mehrerer senkrechter Gitterlinien über den Kartenrahmen hinaus.
In der Navigation an Land benutze ich Karten mit einem geodätischen Gitter, an dem ich mich orientiere. In der Literatur wird die Differenz zwischen Gitter Nord und Magnetisch Nord bisweilen fälschlicherweise auch als Missweisung bezeichnet obwohl die Nadelabweichung gemeint ist. Eine saubere Differenzierung ist hier notwendig, um bei der Navigation auch ein genaues Ergebnis erzieklen zu können.
Die magnetische Deklination (lMg) ist nicht zu verwechseln mit der Deklination (d) in der astronomischen Navigation! Die astronomische Deklination (d) beschreibt den vertikalen Winkel eines Gestirns zum Himmelshorizont. Die Deklination ist je nach Position auf der Erdkugel unterschiedlich und ändert sich ständig. Für Berechnungen ist es jedoch vollkommen ausreichend, jährliche Änderungen (engl.: annual change) zugrunde zu legen. Linien gleicher Deklination werden Isogonen genannt. Eine Linie mit einer Deklination von 0o wird Agone genannt.
Auf Seekarten finden sich in der aufgedruckten Kompassrose z.B. folgende Angaben:
Dies bedeutet, dass im Jahre 1995 die Deklination 0,5oW betrug. Die jährliche Änderung beträgt 0,1o nach Osten. 2001 beträgt daher die Deklination 6'E. Auf deutschen topografischen Karten sind sind am Rand nur Hinweise zur Nadelabweichung und zur Meridiankonvergenz abgedruckt. Da die Deklination die Summe aus Nadelabweichung und Meridiankonvergenz ist, kann sie ohne Probleme aus diesen beiden Werten berechnet werden. Bei der Kalkulation ist zu beachten, dass die Meridiankonvergenz keinen jährlichen Veränderungen unterworfen ist. Die Deklination ist in Mitteleuropa gering und kann für normale Orientierungszwecke vernachlässigt werden. In Kanada kann die Deklination aber durchaus 20o und mehr betragen. Eine Kursbeschickung, d.h. eine Korrektur des per Kompass ermittelten "falschen" magnetischen Kurses oder einer "falschen" magnetischen Peilung um die Deklination, ist dann zwingend erforderlich, um den "richtigen" Weg zu finden!
Die Nadelabweichung ist wie die Deklination nicht konstant. Sie unterliegt kontinuierlichen Änderungen. Die auf der Karte zu findende Nadelabweichung gilt nur für das angegebene Jahr. Daher ist auf der Karte zusätzlich die jährliche Änderung der Nadelabweichung mit Angabe der Richtung "westlich" oder "ostwärts" vermerkt. Bei Berechnungen der aktuellen Nadelabweichung ist das Vorzeichen zu beachten.
Da die Nadelabweichung in konstanter Abhängigkeit zur Deklination steht, kann auch sie in Mitteleuropa für normale Orientierungszwecke vernachlässigt werden. In Regionen mit größerer Nadelabweichung ist aber auf jeden Fall eine Kursbeschickung, d.h. eine Korrektur des per Kompass ermittelten "falschen" magnetischen Kurses oder einer "falschen" magnetischen Peilung um die Nadelabweichung, erforderlich. Nur so finde ich auch mit einem geodätischen Gitter den "richtigen" Weg zum gewünschten Ziel. Zwischen den magnetischen Polen der Erde verlaufen die Feldlinien des Erdmagnetfeldes. Die Feldlinien verlaufen jedoch nicht horizontal sondern geneigt. Diese Neigung zur Horizontalen wird Inklination genannt. Sie beträgt an den magnetischen Polen 90o und am magnetischen Äquator 0o. Die Inklination beträgt in Mitteleuropa etwa 65o. Linien gleicher Inklination werden Isokline genannt. Bei einfachen Wanderkompassen wird die Inklination einfach dadurch ausgeglichen, dass die Südhälfte der Kompassnadel schwerer ist als die Nordhälfte. Ein solcher Kompass kann somit nicht auf der Südhalbkugel verwendet werden. Die Kompassnadel würde schief hängen und schlimmstenfalls den Gehäuseboden berühren. Bei aufwendigeren Kompassen ist es möglich, die Inklination auszugleichen. Die Kompassanzeige wird
durch Störungen des Erdmagnetfeldes und zusätzliche
Magnetfelder, hervorgerufen durch stromführende
Leitungen oder elektrische Anlagen, z.B. an Bord eines
Fahrzeuges, zusätzlich abgelenkt. Diese Abweichung wird
als Deviation (d) oder Ablenkung
(Abl) bezeichnet. Sie beschreibt den Winkel zwischen
magnetisch Nord (MaN) und der Nordrichtung, die meine
Magnetkompassnadel tatsächlich anzeigt. Diese
tatsächliche Nordrichtung meiner Kompassnadel wird auch
Magnetkompass Nord (MgN) genannt. Die Summe aus
Deklination und Deviation wird als
Magnetkompassfehlweisung (MgFw) bezeichnet. Während die Missweisung und die Nadelabweichung für jeden anliegenden Kurs konstant ist, ändert sich die Deviation sinusförmig in Abhängigkeit vom anliegenden Kurs. Hinzu kommt, dass die Ablenkung vom Fahrzeug abhängt. Sie muss daher während des Betriebes für jedes Fahrzeug und für jeden Kurs individuell festgestellt werden. Die ermittelten Werte fließen in die Deviationstabelle ein. Ist die Ablenkung zu groß, so kann der Fehler durch Anbringen von kleinen Magneten verringert (kompensiert) aber nicht beseitigt werden. Schiffskompasse werden jährlich und nach jeder längeren Werftliegezeit in einem aufwendigen Verfahren kompensiert. Zusätzlich wird eine Deviationstabelle erstellt. Die (Rest-) Ablenkung kann dann für den anliegenden Kurs der Deviationstabelle entnommen werden. Eine solche Kompensation ist bei den meisten motorradgeeigneten Kompassen nicht möglich. Bei handelsüblichen Wander- und Peilkompassen ist eine Kompensation nicht notwendig. Voraussetzung ist ausreichender Abstand zu störenden Einflüssen. Störquellen sind:
Während von den erstgenannten Störquellen ein Abstand von mehreren hundert Metern eingehalten werden muss um brauchbare Kompasswerte zu erhalten, so reicht bei Kraftfahrzeigen und batteriebetriebenen Geräten ein Abstand von etwa 5 m. Ich kann die Deviation daher in den meisten Anwendungsfällen vernachlässigen. 3.2.2.3. Beschleunigungs- und
Drehfehler Der Vollständigkeit halber sei hier auf eine weitere Kompassfehlanzeige hingewiesen, hervorgerufen durch starke Beschleunigung des Fahrzeugs. Dabei unterscheidet man die translatorische Beschleunigung (Beschleunigungsfehler) und die zentrifugale Beschleunigung bei Kurvenfahrt (Kompassdrehfehler). Der Drehfehler tritt nur auf Nord-/Südkursen (grob) und in Kurven auf. Der Beschleunigungsfehler tritt dagegen nur bei starker Beschleunigung auf Ost-/Westkursen (grob) auf. Da man als Führer eines Landfahrzeuges in diesen Situationen meistens nicht auch noch auf den Kompass schaut, kann dieser Fehler vernachlässigt werden. Für Seefahrer und noch mehr für Piloten ist er aber durchaus von Bedeutung. Die Industrie bietet eine Vielzahl von Kompassen unterschiedlichster Bauart an. Für die Orientierung mit Karte sind drei Arten von Kompassen von Interesse:
Manche Linealkompasse verfügen zusätzlich über einen Planzeiger, meistens in den Maßstäben 1:25 000 und 1:50 000. Eine integrierte Lupe ist hilfreich beim Betrachten und Zählen von Höhenlinien. Linealkompasse eignen sich gut für die Nahorientierung auf kürzeren Wanderungen auf Wegen. Sie sind leicht und robust, einfach zu handhaben und finden in jeder Hemd- oder Jackentasche Platz. Dort gehören sie unterwegs auch hin und nicht ins Gepäck ganz nach unten! Ein Spiegelkompass verfügt über die selben Ausstattungsmerkmale wie ein Linealkompass. Der zusätzliche, klappbare Spiegel ermöglicht es jedoch, ein Objekt im Gelände anzupeilen und gleichzeitig die Magnetnadel im Blick zu haben. Der Kurs (Marschzahl) kann so wesentlich einfacher abgelesen werden. Auf diese Weise lassen sich kleine, sehr entfernte Objekte im Gelände besser erkennen und anpeilen. Auch das anpeilen von erheblich höher oder tiefer gelegenen Objekten wird erleichtert. An der Oberkate des Deckels ist eine Kimme eingearbeitet. Der Spiegel ist mit einem senkrechten Mittelstrich versehen. Dies verringert die Gefahr des Verkantens beim Peilen.
Peilkompasse sind teurer als die meisten Lineal- und Spiegelkompasse. Trotzdem sind sie für die herkömmliche Kartenarbeit wesentlich schlechter geeignet als die preiswertesten Linealkompasse. Die Vorteile von Peilkompassen liegen in der wesentlich genaueren Ablesemöglichkeit. Während der Kurs bei Lineal- und Peilkompassen auf 1-2o genau abgelesen werden kann, können Kurse bei guten Peilkompassen auf ½o genau abgelesen werden. Genaues Peilen und saubere Kartierungsarbeiten werden so erst möglich. Der gepeilte Wert kann bei Peilkompassen aber nicht festgehalten werden wie das bei Lineal- und Spiegelkompassen möglich ist. Peilkompasse werden im Freizeitbereich hauptsächlich auf Sportbooten und Segelyachten verwendet. In verkleinerter Form kommen sie aber auch in Kraftfahrzeugen zum Einsatz. Diese kleinen Peilkompasse eigenen sich auch zum Einsatz am Motorrad. Sie sind für genaue Peilungen bauartbedingt zwar zu klein, für die grobe Orientierung am Lenker montiert, kann so ein Mini-Peikompass aber durchaus ein wichtiges und nützliches Navigationsmittel sein. Die Orientierung beginnt im Kopf. Auch ohne Karte und Kompass kann man sich ohne großen Aufwand zumindest einen groben Überblick über die Haupthimmelsrichtungen verschaffen. Wichtigstes und dem Menschen vertrautestes Hilfsmittel zur Orientierung ist die Sonne. Ohne dass wir uns dessen (meistens) bewusst sind, ist unser gesamtes Leben auf den Lauf dieses Himmelskörpers ausgerichtet. Die Sonne, bzw. der Lauf der Erde um die Sonne hat Einfluss auf fast alles was wir tun. Grund genug, sich vielleicht auch als Motorradfahrer etwas näher mit diesem "zentralen" Himmelskörper zu befassen. Ganzjahresfahrer werden jetzt zwar wieder schreien, aber ein grundlegender Einflussfaktor für das Motorradfahren ist die Jahreszeit. Sie bestimmt wie lange und wohin wir fahren, wie hoch es hinaus geht und wann wir den Tag beenden.
e = 23o30' Während des Laufs um die Sonne behält die Erdachse ihre Lage im Raum bei. Der Winkel, den ein Sonnenstrahl zum Erdmittelpunkt mit dem Äquator einschließt, ändert sich jedoch im Laufe eines Umlaufs. Dieser Winkel wird als Deklination der Sonne (d) bezeichnet. Die Deklination der Sonne (d) ändert sich zwischen d = -23o30' am 21. Dezember und d = 23o30' am 21. Juni des Jahres. Der Verlauf ist sinusförmig. Die Deklination (d) erreicht am 21. Juni, der sog. Sommersonnenwende, ihr Maximum von 23o30'. Die Nordhalbkugel ist der Sonne zugewandt. Auf der nördlichen Hemisphäre ist jetzt Sommer. Die Südhalbkugel ist am 21. Juni der Sonne abgewandt. Auf der südlichen Hemisphäre herrscht daher Winter. Im Laufe des Jahres ändert sich die Deklination (d). Sie nimmt ab. Bei uns, d.h. auf der nördlichen Halbkugel werden die Tage kürzer, auf der Südhalbkugel dagegen länger. Am 23. September wird die sog. Tag-Nacht-Gleiche erreicht. Die Deklination (d) beträgt jetzt 0o.Tag und Nacht sind jetzt sowohl auf der Nord- als auch der Südhalbkugel gleich lang. Die Sonne steht jetzt im Sternbild Waage genau im Schnittpunkt von Ekliptik und Himmelsäquator. Bei uns beginnt der Herbst, in Neuseeland der Frühling. Dieser Übergang von nördlicher zu südlicher Deklination (d=0) wird als Waage- oder Herbstpunkt (W) bezeichnet. Im Herbst werden die Nächte immer länger. Die Deklination (d) nimmt weiter ab und erreicht schließlich am 21. Dezember, der sog. Wintersonnenwende, ihr Minimum von -23o30'. Die Nordhalbkugel ist der Sonne abgewandt. Auf der nördlichen Hemisphäre ist Winter. Die Südhalbkugel ist am 21. Dezember der Sonne zugewandt. Auf der südlichen Hemisphäre herrscht jetzt der Sommer.
Frühlings- und Herbstanfang, d.h. Tag- und Nachtgleiche werden auch als Äquinoktium, Widder- und Waagepunkt als Äquinoktialpunkte bezeichnet. Die Sonnenwende, d.h. die Tage der maximalen Deklination (Sommersonnenwende) bzw. minimalen Deklination (Wintersonnenwende), wird als Solstitium bezeichnet. Die Schiefe der Ekliptik (e) legt im geografischen Koordinatensystem vier Breitenkreise fest, die auf der Weltkarte oder dem Globus als Breitenparallelen erscheinen:
Die beiden Wendekreise markieren wie der Name vermuten lässt die beiden Wendepunkte der Sonne während des jährlichen Laufs der Erde um die Sonne. Am 21. Juni um genau 12:00 Uhr Ortszeit (nicht Zonenzeit!) steht die Sonne genau senkrecht über 23o30'N. Nördlich dieses Breitengrades und somit auch in unseren Breiten steht die Sonne nicht senkrecht. Sie erreicht in der nördlichen Hemisphäre ihren höchsten Stand. Am 21. Dezember um genau 12:00 Uhr Ortszeit steht die Sonne genau senkrecht über 23o20'S. Die Sonne erreicht in der nördlichen Hemisphäre ihren tiefsten Stand. Das Ereignis wird als Sonnenwende bezeichnet und vielerorts entsprechend gefeiert. Zwischen 23o30'N und 23o30'S steht die Sonne mittags an mindestens einem Tag pro Jahr senkrecht im Zenit. Ein Wechsel der Jahreszeiten, wie man ihn in unseren Breiten gewöhnt ist, lässt sich hier nicht beobachten. Die beiden Wendekreise 23o20'N und 23o20'S begrenzen den Bereich der Tropen. Wie allgemein bekannt steht die Sonne zu bestimmten Zeiten in einer bestimmten Richtung. Sie geht morgens im Osten auf, steht auf der Nordhalbkugel mittags im Süden im Zenit und geht abends im Westen unter. Astronomisch betrachtet steht die Sonne per Definition mittags um genau 12:00 Ortszeit exakt im Süden. Die Ortszeit ist nur für einen bestimmten Meridian gültig. Sie ist somit nicht identisch mit der Zonenzeit, d.h. der in der jeweiligen Zeitzone gültigen Zeit. Die Erde ist in 24 Zeitzonen von jeweils 15o Breite unterteilt. Die Weltzeit UTC orientiert sich am Meridian von Greenwich, d.h. an 0o. Der Bezugsmeridian für Mitteleuropäische Zeit (MEZ) ist 15oE, d.h. die Sonne steht bei 15oE um genau 12:00 Uhr mittags MEZ im Zenit. 15oE liegt bereits in Polen, was bedeutet, dass die Sonne in Deutschland erst später im Zenit steht. Am Beispiel des beliebten Eifeler Motorradtreffs sieht das dann folgendermaßen aus: Position Café Fahrtwind: 50o28,56'N 006o57,88'E Die Sonne wandert in vier Minuten ein Grad weiter am Horizont. Da sich das Café Fahrtwind 8o2,12' westlich von 15oE befindet, steht hier die Sonne etwa 32 min später im Zenit, d.h. um 12:32 Uhr MEZ. Im Sommer erreicht aufgrund der Sommerzeit die Sonne beim Café Fahrtwind erst um 13:32 Uhr MESZ ihren Zenit.
3.4.2. Naturbedingte Orientierungshilfen Aufgrund des Sonnengangs lassen sich in mittleren Breiten in der Natur weitere Hinweise auf die Himmelsrichtung finden.
Alle diese Naturmethoden sind nicht sehr zuverlässig. Der Wind kann zum Beispiel einiges verändern. Man sollte soviel wie möglich dieser natürlichen Hinweise sammeln, um sicher zu gehen. 3.4.3. Kulturbedingte Orientierungshilfen
Zur Orientierung ist es notwendig, einen groben Überblick über die Landschaft und seinen Kurs zu haben ohne dabei ständig zur Karte greifen zu müssen. Gibt es markante Geländepunkte? In welche Himmelsrichtung bewege ich mich? Orientierung beginnt im Kopf. Je mehr ich ihn gebrauche, desto weniger bin ich auf künstliche Hilfsmittel angewiesen. Nichtsdestotrotz ist es von Zeit zu Zeit ratsam, das Bild im Kopf, Realität und Karte miteinander zu vergleichen. Nur so lassen sich rechtzeitig Korrekturen vornehmen. Erster Schritt hierfür ist das Einnorden der Karte, d.h. ich richte die Karte auf die Landschaft aus.
Zur groben Orientierung reicht dies vollkommen aus. Ich vergleiche die Landschaft mit der Karte, präge mir markante Geländemerkmale ein. Ergänzt durch Uhrzeit und Sonnenstand reichen diese Informationen fast immer, um seinen Weg zu finden. Die in Mitteleuropa ohnehin geringe Deklination/Nadelabweichung wird bei der genannten Vorgehensweise nicht berücksichtigt. Für genauere Betrachtungen benötige ich jedoch die genaue geografische Nordrichtung (GeN). Besonders in Gegenden mit hoher Deklination/Nadelabweichung muss ich daher eine Korrektur vornehmen. Dafür muss ich vorher feststellen, ob es sich bei dem verwendeten Gitter um ein geografisches oder ein geodätisches Koordinatengitter handelt. Aus der Karte ermittelte Kurse/Peilungen können relativ schnell in die reale Umgebung übertragen werden.
Ist das Wandern nach Kurs (Marschzahl) vielerorts möglich, so sieht das beim Motorradfahren schon anders aus. Dies ist eigentlich nur auf Wüstentouren mehr oder weniger problemlos möglich. Anders sieht die Sache aber aus, wenn ich den Kompass zum anpeilen von mehreren markanten Punkten in der Landschaft nutze, um so meine Position zu bestimmen.
Nun lege ich den Kompass mit der langen Anlegekante so auf die Karte, dass der Richtungspfeil oder der Spiegel zum Peilpunkt weist. Ich drehe den ganzen Kompass bis der Nordpfeil des Kompassgehäuses nach Norden auf der Karte zeigt. Ich zeichne eine Linie vom Peilpunkt zum Linealende. Dies wiederhole ich mit dem/den anderen Punkt(en). An der Schnittstelle der Linien befindet sich meine Position. Darüberhinaus bieten sich weitere Möglichkeiten, seinen Standort zu bestimmen. Neben Straßenkreuzungen bieten sich hierfür alle Arten von Querungen gut an, d.h. Brücken über Bäche, Kanäle, Flüsse, Eisenbahnübergänge sowie Unter- und Überführungen. Auf den topographischen Karten der Landesvermessungsämter sind auch Hochspannungsleitungen eingetragen. Gerade sie bieten sich in orientierungsarmen Gegenden als Hilfsmittel an, z.B. auf Feldwegen in der norddeutschen Tiefebene. Voraussetzung dafür ist aber immer eine gute Karte. 3.5.4. Berücksichtigung der Missweisung In Mitteleuropa ist die
Deklination sehr gering (< 2o). Auch die
Nadelabweichung ist kaum der Rede wert. Solche geringen
Werte können auf der Kompassrose eines
durchschnittlichen Lineal- oder Spiegelkompasses nicht
hinreichend genau eingestellt und abgelesen werden. In
Deutschland und seinen Nachbarländern kann die
Missweisung daher für normale Orientierungszwecke
vernachlässigt werden. Beträgt die jedoch mehr als 5o,
so ist eine Korrektur sinnvoll. Bei noch größeren
Werten, z.B. 20o in Kanada, ist eine Korrektur
zwingend erforderlich! Die im folgenden erläuterte Vorgehensweise gilt für Deklination und Nadelabweichung, sowie Kurse und Peilungen gleichermaßen. Unter dem rechtweisenden Kurs (rwK) ist dabei der Kurswinkel mit Bezug auf die jeweils verwendete Nordrichtung, d.h. geografisch Nord (GeN) oder Gitter Nord (GiN) zu verstehen. Der missweisende Kurs bezeichnet den Kurswinkel zwischen Kurslinie und magnetisch Nord (MaN). Deklination und Nadelabweichung werden in den folgenden Erläuterungen zusammenfassend als Missweisung bezeichnet. Wie bereits erwähnt, sind auf Karten am Rand Angaben zur Missweisung zu finden. Je nach Art der Karte und verwendetem Gitter sind dort Angaben zur Deklination oder zur Nadelabweichung nebst Hinweisen auf die jährliche Änderung abgedruckt. Da bei der Missweisungskorrektur leicht Vorzeichenfehler gemacht werden, muss diesem erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt werden.
Der rechtweisende Kurs (rwK) ist in der Karte bestimmt worden und soll nun mittels Kompass eingeschlagen werden. Zur Ermittlung des dafür benötigten missweisenden Kurs (mwK) muss der rechtweisende Kurs (rwK) zuvor um die Missweisung berichtigt werden. Dabei ist das Vorzeichen zu beachten! Es muss in diesem Fall vertauscht werden.
Merke: Vom "richtigen" Kurs (rwK) zum "falschen" Kurs (mwK) mit "falschem" Vorzeichen Möchte ich nun einen mit dem Kompass in der Landschaft ermittelten missweisenden Kurs (mwK) in die Karte übertragen, so muss auch er zuvor um die Missweisung beschickt werden. Hierbei wird das "richtige" Vorzeichen verwendet.
Merke: Vom "falschen" Kurs (mwK) zum "richtigen" Kurs (rwK) mit "richtigem" Vorzeichen.
Der Handel führt Kompasse mit Missweisungskorrektur. Bei solchen Modellen kann mit Hilfe eines Schraubendrehers auf der Unterseite des Kompasses die Gradskala um die jeweilige Missweisung gedreht und eingestellt werden. Ich muss mich um die Missweisung dann nicht weiter kümmern. In sog. "Gebieten unsicherer Missweisung" variiert diese jedoch auf kleinem Raum sehr stark, so dass die Missweisung immer wieder am Kompass nachjustiert werden muss. |
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